Rambo-Zambo im Handel. Was auf uns zukommt. Was jetzt zu tun ist.
Über die Turbulenzen im Handel referierte Dr. Ralf Deckers aus Köln vor vollem Auditorium. Mit viel Dynamik und Informationen gab er uns einen Status-Bericht über Situation des Handels in Deutschland. Wir sind keine nationale abgeschlossene Gesellschaft, vielmehr muss man das Geschehen auch vor den internationalen und insbesondere vor den Eskapaden der Trump-Administration sehen, so der Referent. Die aktuelle Lage im Handel ist von großer Verunsicherung geprägt. Die Konsumenten fürchten Preiserhöhungen und halten ihr Geld zusammen.
Dr. Ralf Deckers ist seit Mai 2018 Bereichsleiter des IFH Köln.
Schwerpunkt seiner Tätigkeit sind forschungsbasierte Analysen des Kundenverhaltens (B2C und B2B) im Kontext dynamischer Markt- und Wettbewerbsbedingungen.
Die wichtigsten Ergebnisse der Studie sind:
- Ängste und Sorge vor Preissteigerungen bleiben
- Das Sparverhalten bei Lebensmitteln dominiert weiterhin die Einkäufe. Preisvergleiche sind nach wie vor auf einem hohen Niveau. Im Vergleich Oktober 2024 mit März 2025 ist das Preisvergleichsverhalten von 69 auf 74% angestiegen. Außerdem wird verstärkt nach Sonderangeboten gesucht und gekauft.
- Über ein Drittel der Konsumenten plant gezielte Einsparungen insbesondere im Bereich Fashion und Accessoires (40%). Auch der Bereich Freizeit und Hobby sind betroffen.
- Fast alle Handelsbranchen sind unter realem Druck, außer Gesundheit und Elektronik
- Kritische und besorgte Emotionen gegenüber Trump und der Regierung dominieren. Insgesamt ist das Interesse hoch. 65% der Befragten sind über Trumps Aktivitäten beunruhigt und verärgert.
- Nach wie vor greift rund ein Drittel der Konsumenten auf den Onlinekanal zurück. Damit stagniert der Onlineshift im dritten Jahr in Folge. Dennoch leidet der stationäre Handel unter der starken Zuwendung zum Onlinehandel, der wird wiederum
- von Amazon, als Platzhirsch mit einem Anteil von 60 % !! Temu und Shein getriggert
- Die Informationen vor Käufen werden beim stationärem Handel (35%) bei Amazon eingeholt, beim Onlinekauf sind es 52%.
- Waren es 2020 noch 52% die noch mehrmals in die Geschäfte in die Stadt gegangen sind, waren es in 2025 nur noch 27%. Eine dramatische Entwicklung. Einhergehend fällt die Passentenfrequenz deutlich.
- Barrieren des Innenstadtbesuchs sind schlechte Erreichbarkeit, fehlende Parkmöglichkeiten, hohes Verkehrsaufkommen, fehlende Zeit und unzureichendes Sicherheitsgefühl
- Wenn die Menschen in die Innenstadt gehen, verbinden sie dies gerne mit dem Besuch von Gaststätten und Cafés.
Nach diesem eher negativen Status ist es wichtig, die Innenstädte wieder attraktiver zu machen. Auswege sind „Flächenmanagement, Ansiedlungsmanagement und Zentrenmanagement.“
In der anschließenden 𝗣𝗼𝗱𝗶𝘂𝗺𝘀𝗱𝗶𝘀𝗸𝘂𝘀𝘀𝗶𝗼𝗻 mit Vertretern aus Ulm, Neu-Ulm und Söflingen wurden lokale Perspektiven beleuchtet: Von der “Döner-Dichte” über Ladenleerstand bis hin zu neuen Einkaufsgewohnheiten. Interessant: In Söflingen verschieben sich die Stoßzeiten im Einzelhandel zunehmend in den Nachmittag und Abend – eine spannende Entwicklung für den stationären Handel. Die Diskussion zeigte auch, dass die Belebung der Innenstadt an den aktuellen Baustellen, Leerständen große negative Faktoren sind.
Ein besonderer Dank gilt auch unseren Diskussionsgästen vom Ulmer Citymarketing, WIN Stadtmarketing und dem HGV Söflingen e.V.:
Manuela Seitter (HGV Söflingen), Michael Klamser (Ulmer City Marketing) und Jörg Behrens (WIN Neu-Ulm) – starke Stimmen für eine lebendige Handelslandschaft in der Region.
Herzlichen Dank an Dr. Ralf Deckers für den fundierten Vortrag sowie an Martin Dambacher für die Organisation und Moderation.
Text: A.u.H. Lange
Fotos: Helmut Lange








